Sprachförderung für VfB-Spieler

 

Wenn Fußballer Extraschichten absolvieren, zielt das zumeist darauf ab, physische Defizite abzubauen. Joshua Adomako und Dallas Sikes-Aminzadeh schieben Extraschichten. Zweimal wöchentlich sogar. Ein schlechtes Gewissen müssen die beiden Kicker des VfB Oldenburg deshalb aber nicht haben. Ganz im Gegenteil.

 

Denn die Übungseinheiten, die der Schwede Adomako und der US-Amerikaner Sikes-Aminzadeh jeweils dienstags und freitags absolvieren, haben mit physischen Defiziten rein gar nichts zu tun. Bevor die beiden Fußballer im Sportpark Dornstede mit ihren Mitspieler gegen den Ball treten dürfen, steht noch ein anderes Training auf dem Programm. Die beiden Fußballer lernen Deutsch und das mit großer Begeisterung. „Es macht unheimlich viel Spaß, denn Josh und Dallas sind nicht nur zwei wirklich nette Menschen, sie haben auch eine gute Einstellung und sind sehr offen für den Unterricht“, erzählt Anja Seemann.

 

Die Sprachlehrerin vom Bildungskreis Oldenburg, die ansonsten Sprachlernklassen unterschiedlichsten Niveaus unterrichtet, hat mit den beiden Abwehrrecken allerdings auch leichtes Spiel. Alle drei sprechen perfekt Englisch, Verständigungsprobleme gab es also keine. „Wir hatten keinerlei Barrieren, das erleichtert den Unterricht natürlich“, sagt die Pädagogin, die sich jeweils dienstags und freitags mit den beiden Fußballern trifft, um ihnen in den 90-minütigen Einheiten die deutsche Sprache beizubringen. Es braucht nicht viel Fantasie, um sich vorzustellen, dass dem Schweden und dem US-Amerikaner der gepflegte Steilpass oder das wuchtige Kopfballspiel leichter fallen. Allerdings entwickeln sie am Schreibtisch mindestens so viel Ehrgeiz, wie bei den sportlichen Duellen auf dem Rasen.

 

Inhaltlich nimmt Anja Seemann dabei durchaus Rücksicht auf die Bedürfnisse ihrer zwei Schüler. „Wir arbeiten mit Blick auf das Fußballspiel schon handlungsorientiert und bauen die entsprechenden Vokabeln ein, aber ohne, dass wir dabei den normalen Sprachgebrauch vernachlässigen“, erzählt sie. Bei allem Ehrgeiz, den die beiden Kicker an den Tag legen, sind sie doch durchaus unterschiedliche Lerntypen. Joshua Adomako sei ein Perfektionist. „Josh ist beeindruckend professionell und immer gut vorbereit. Er will immer alles zu einhundert Prozent richtig machen. Aus diesem Grund hält er sich öffentlich verbal auch zurück, obwohl er die Sprache bereits gut kann, sehr viel versteht und Fragen sicherlich auch auf Deutsch beantworten könnte.“ Sein Mitspieler hingegen sei der forsche Typ. „Dallas spricht gerne, ist sehr mutig und traut sich. Mit dem Schriftdeutschen dagegen hat er mehr Schwierigkeiten, aber da muss er durch“, erzählt die Lehrerin lachend. Mit seiner positiven Art sei das aber auch kein Problem, betont Anja Seemann.

 

Der Austausch mit den beiden Kickern sei von großer Offenheit, Humor und Fleiß gekennzeichnet. Entsprechend viel Spaß mache ihr die Arbeit. „Wir nehmen zwar auch mal Rücksicht auf das Training, aber grundsätzlich ist es schon so, dass der VfB viel Wert darauf legt, dass Josh und Dallas die Sprache lernen.“ Nicht auszuschließen ist übrigens, dass die Lerngruppe zeitnah erweitert wird. Der Finne Henri Aalto hat vor wenigen Tagen einen Vertrag beim VfB unterschrieben und bereits erklärt, ganz schnell Deutsch lernen zu wollen.

 

Die Sprache, sagt auch Sportdirektor Ralf Voigt, sei elementar. „Natürlich sprechen die Jungs heute alle ordentlich Englisch, aber es ist schon noch etwas anderes. Die kleinen Feinheiten, die Scherze, die in der Kabine gemacht werden und auch andere Dinge bekommt man einfach besser mit, wenn man die Sprache des Landes spricht, in dem man Fußball spielt“, sagt er. Es ist also keinesfalls übertrieben, dass die Arbeit von Anja Seemann letztlich auch einen Teil zum sportlichen Erfolg beitragen wird.

 

„Wir freuen uns, dass wir den Verein unterstützen können. Uns macht die Zusammenarbeit mit dem VfB großen Spaß und wenn wir durch die Lern- und Übungseinheiten dazu beitragen können, dass die Mannschaft noch erfolgreicher Fußball spielt, ist es umso schöner“, sagt Ahmet Yildiz, Geschäftsführer des Bildungskreis e.V., der das Projekt in Zusammenarbeit mit VfB-Geschäftsführer Philipp Herrnberger auf den Weg gebracht hat.

 

 

Quelle: VfB Oldenburg


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